Was ist Traumaarbeit mittels Somatic Experiencing® konkret?
Ein ganzheitlicher Ansatz, in dessen Mittelpunkt das Nervensystem steht. Statt belastende Erfahrungen immer wieder ausführlich zu erzählen oder durchleben zu müssen, richten wir die Aufmerksamkeit auf die Empfindungen und Signale des Körpers wie zum Beispiel Atmung, Spannungen, Bewegungen, Emotionen, Gefühle...).
Ziel ist nicht „das Trauma zu verdrängen“, sondern das Trauma neu zu verhandeln und neue Erfahrungen von Sicherheit und Selbstregulation zu ermöglichen. Dein Körper wird wieder zu deiner Ressource und ist nicht länger dein Gegner.
Die Arbeit erfolgt in einem sicheren geschützten Rahmen, in kleinen Schritten (Titration) und individueller Rhythmik.
Wie funktioniert Somatic Experiencing®?
- Ressourcen aufbauen: Zunächst werden innere Ressourcen gestärkt, damit sich das Nervensystem sicherer anfühlt.
- Bodenkontakt herstellen: Aufmerksamkeit wandert zu Körperwahrnehmungen, Atmung und sensorischen Signalen, um eine neutrale Beobachtung statt Vermeidung zu ermöglichen.
- Titration und Pendeln: Belastende Reize werden in kleinen, kalkulierten Schritten durchlebt (Titration) und zwischen verschiedenen Ansätzen begleitet (Pendeln), um Überreizung zu vermeiden.
- Verankerung und Integration: Wiedergewonnene Ressourcen helfen, früheren Stressverläufe im Hier und Jetzt zu verankern und die Selbstregulation zu verbessern.
- Orientierung am Nervensystem: SE arbeitet mit autonomen Reaktionsmustern, sodass das Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Regulation gestärkt wird.
Wie wirkt SE® auf das Nervensystem?
Man erzielt eine Aktivierung des parasympathischen Systems (Vagus-Nerv) und anderer Selbstregulationswege: SE zielt darauf ab, das Gleichgewicht zwischen Aktivierung und Ruhe wiederherzustellen.
Reduktion von Übererregung (Hyperarousal) und Untererregung (Hypoarousal): Durch behutsame Stimulation lernen Klientinnen und Klienten, Regulation wiederherzustellen.
Eine Verbesserung der interozeptiven Fähigkeiten wird angestrebt: Die Wahrnehmung von inneren Prozessen wird feiner, so dass Signale frühzeitig erkannt und sinnvoll gesteuert werden können.
Eine langsame, sichere Neuordnung von traumatischen Reaktionsmustern ist das Ergebnis: Das Nervensystem lernt, auf Belastungen mit adaptiven, nicht-flüchtigen Antworten zu reagieren.
Typische Ziele von Somatic Experiencing®
- Regulation des autonomen Nervensystems (Herzfrequenz, Atmung, Muskeltonus)
- Freisetzung verharrter traumatischer Reize in behutsamer, schrittweiser Weise (Titration)
- Ressourcenaufbau und Wiedergewinnung von Sicherheit im Körper
Verbesserung der Fähigkeit, Stress zu erkennen, abzuschwächen und zu bewältigen
- Wiederentdeckung von Grounding, Körperbewusstsein und Selbstwirksamkeit
- Das Leben auf diese Weise wieder in einen geordneten Fluss bringen
Wichtiger Hinweis:
Somatic Experiencing® ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung. Bei psychischen Erkrankungen sollte die Betreuung durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen erfolgen.